Berlin-Moskau mit dem Volvo 240 – Teil 1

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    Weißrussische Landstraße
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    Aussicht auf die weißrussische Landschaft
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    Mein Volvo 240 Kombi, BJ. 1993
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    Der Kofferraum ist voll mit Geschenken
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    In aller Ruhe über die Trasse
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    Grenze Weißrussland-Russland
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    Rastplatz in der Nähe von Smolensk
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    Was macht man, wenn man ein Bett und eine Kommode transportieren muss?
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    Richtig, man steckt beides in seinen PKW, und zwar gleichzeitig.
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    Der Volvo 240 hat einen 2,10m langen, quaderförmigen Kofferraum.
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    Sightseeing mit dem Dampfer
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    Die Fahrt ging bis spät in die Nacht
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  • Reisepass

In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, warum ich für meine zweite Reise nach Moskau zu meiner damals noch Freundin statt des Flugzeugs das Auto verwendet habe.

Zu den speziellen Vorzügen des Volvo 240 und alter Autos im Allgemeinen werde ich mich später noch in einem extra Beitrag auslassen.

Also weiter im Text: Nach unserer ersten gemeinsamen Woche, die schöner nicht hätte sein können, waren wir uns einig, dass wir das unbedingt wiederholen müssen und dass ich auch ihren damals 11 Jahre alten Sohn kennen lernen sollte. Ich hatte schon mir ein halbes Jahr früher (ursprünglich für ein Oldtimertreffen in Ungarn) zwei Wochen im August, außerhalb der für Azubis so wichtigen Ferien, freigekämpft. Meine Boss-Lady hatte mich für diese Zeit in der Berufsschule entschuldigt (als Auszeichnung, wie sie nicht müde wurde zu betonen). Also wurde das Oldtimertreffen abgesagt und die Planung abgeändert. Aber warum die Entscheidung fürs Auto? Berlin-Moskau ist ja kein Pappenstiel (2000 km in eine Richtung) und Probleme sind damit auch genug verbunden (Grenzen, Transitvisum, Dokumente, dazu später).

Der womöglich Hauptgrund ist meine Leidenschaft für das Automobil und für lange Strecken. Ich kann mir bis heute nichts schöneres vorstellen, als nachts mit einem Hörbuch oder guter Musik eine endlose Trasse entlangzugleiten. Ein weiterer Grund war schlicht ein logistischer: Meine Freundin hatte kurz bevor wir uns kennenlernten eine Wohnung gekauft, die wie durch Zufall genau in der Zeit, in der ich in Moskau sein würde, bezugsfertig sein sollte. Sie musste also irgendwie all ihren Kram aus der Übergangswohnung in die neue schaffen, und das ohne Auto in der Familie. Und da kam uns mein 240 Kombi als sehr gute Lösung vor. Der dritte Grund war eigentlich recht banal: Eine Strecke mit dem Auto ist nicht teurer als ein Flugticket (und das für das ganze Auto, bedenkt mal, wie viel Geld und Umwelt man sparen würde, wenn man nicht alleine fährt).

Allerdings hat die ganze Sache auch einen Haken: Wie bereits oben erwähnt, muss man neben den 2000 km Strecke auch noch eine EU-Außengrenze überwinden. Und das mit einem Auto. Aus frühester Kindheit waren mir noch stundenlange Wartezeiten wegen eines Anhängers voller Fenster an der polnischen Grenze im Gedächtnis geblieben. Und ich wollte mit einem Kofferraum voller Elektronik und Lebensmittel in ein autoritäres Land einreisen. Dem Sohnemann wollte ich als Gastgeschenk meine XBOX schenken, mit der ich sowieso nicht spielte und die ich nur hatte, weil mein bester Kumpel mich dazu genötigt hatte. Dazu hatte ich noch eine alte Stereoanlage im Gepäck (weil meine Freundin Musik auf dem Handy hörte und es bei ihr nirgends halbwegs vernünftige Lautsprecher gab, für einen fast-Tonmeister ein Ding der Unmöglichkeit) sowie eine Bäckerkiste voll westlicher Süßigkeiten, die in Russland das doppelte kosteten. Dazu kommt, dass man, um auf dem Landweg nach Russland zu kommen, noch ein weiteres Land durchqueren muss.

Das ist entweder die Ukraine oder Weißrussland. Für die Ukraine spricht, dass sie Visafrei ist, in Weißrussland ist jedoch das Benzin um die Hälfte günstiger und die Grenze zwischen Weißrussland und Russland ist offen, ähnlich wie im Schengenraum. Außerdem sind in Weißrussland die Straßen besser. Das Transitvisum kam mich noch mal 50 € bei der Agentur, aber das würde sich bei den Benzinkosten kompensieren. Ich besorgte mir noch für alle Fälle einen internationalen Führerschein und war gewappnet.

Um Zeit zu sparen, entschied ich mich, am Freitag direkt nach der Berufsschule loszufahren. Also packte ich Donnerstag Nacht alles in meinen Volvo und fuhr Freitag früh damit zur Berufsschule. Um 15:00 wurde ich endlich entlassen und machte noch ein paar Last-Minute-Besorgungen. Ich war schon völlig aufgeregt. Zu allem Überfluss kam ich noch auf dem Berliner Ring zwischen der A100 und der A12 in einen mächtigen Stau und kroch da etwa eine Stunde herum. Kurz vor der polnischen Grenze kaufte ich mir noch so einen D-Aufkleber, ohne den sie einen wohl nicht reinließen nach Russland. Den hatte ich zuvor in Berlin vergeblich gesucht und hatte schon Angst, dass es so etwas nicht mehr gäbe. Aber die gut sortierte Grenztankstelle hatte einen.

Polen ist bis Warschau nicht wirklich interessant, ist eben eine neue, gut ausgebaute Autobahn. Alle paar 100 km gibt es eine Mautstelle, man lässt etwa umgerechnet 15 € da. In Polen legte ich auch meinen ersten Tankstopp ein. In Warschau wurde es dann auf einmal interessant. Ich erreichte die polnische Hauptstadt gegen Mitternacht, ich fuhr auf der Autobahn und plötzlich ist die zu Ende. Einfach so, weil sie noch niemand weitergebaut hatte. Ich stand ohne Navi oder sonstige Karten plötzlich in einem komischen Vorort ohne jegliche Ausschilderung und wusste überhaupt nicht weiter. Nachdem ich meine Panik überwunden hatte, kaufte ich in einer Tankstelle einen Stadtplan und fragte einen Taxifahrer nach dem Weg (ich spreche ein Bisschen Polnisch). Der wusste auch nicht so recht weiter, konnte mich aber immerhin auf dem Stadtplan orientieren, wo ich eigentlich war. Also bin ich drauflos, immer der Nase nach und war bald völlig verloren. Ich fragte immer wieder Taxifahrer, die teilweise sogar Russisch sprachen, doch schien ich in Warschau kreise zu drehen. Wie ich dann so völlig von allen guten Geistern an einer mit völlig unbekannten Hauptstraße stand und kurz vor dem Verzweifeln war, kamen zwei junge Männer von einer Bushaltestelle und fragten mich, ob ich sie für Geld irgendwohin chauffieren könne. Es stellte sich heraus, dass es Ukrainer waren und sie wussten auch, in welche Richtung ich müsste. Zufällig lag ihr Ziel auf meinem Weg und ich fuhr sie dahin. Nach einem kurzen Gespräch (russische Freundin, aha, klasse, mit dem Auto bis Moskau, Respekt) verabschiedeten sie mich und ich war dann auch nach 5 Minuten auf der richtigen Ausfallstraße.

Als ich Warschau hinter mir ließ, waren auch die Mautstationen zu Ende. Allerdings auch die gute ausgebaute Autobahn. Die 270 km bis zur Grenze waren teils polnisch-2-spurig (Ein Fahrstreifen pro Richtung mit breiten Seitenstreifen zum Überholen bei Gegenverkehr. Man muss immer gucken und gegebenenfalls nach Rechts ausweichen, wenn einem ein überholendes Auto entgegenkommt), teils 2,5-spurig (1 Fahrstreifen pro Richtung + 1 Überholspur, die alle 1500 m die Richtung wechselt; deutlich bequemer, als polnisch-2-spurig) ausgebaut. Hier hatte ich meine erste Müdigkeitsattacke: Die Nacht mit wenig Schlaf und die 6 Stunden Berufsschule machten sich bemerkbar und ich kaufte an einer Tankstelle ein Sixpack Energydrink. An der Grenze musste ich dann 2 Stunden warten, bis mich die Polen kontrollierten und nochmal 2 Stunden, bis die Weißrussen sich über mich hermachten. Für die Zollunion (Russland, Weißrussland und Kasachstan) muss man eine Zollerklärung ausfüllen, wenn man mit dem Auto einreist. Man führt das Auto quasi zeitweise ein und muss es aber auch innerhalb von 3 Monaten wieder ausführen. Das hatte ich noch nie gemacht und tat mich entsprechend schwer damit. Dann musste ich die Erklärung abtippen lassen (für Geld, später fand ich heraus, dass das eine freiwillige Sache ist) und für einen Zehnerkasten Bier (3 Liter sind nur erlaubt) eine Strafe in Höhe von 20 € bezahlen. Um 7:00 Uhr früh hatte ich endlich alle Stempel zusammen und verließ den Grenzbereich. Eigentlich hatte ich vorgehabt, nach der Grenze zu schlafen, hatte aber nicht damit gerechnet, dass es so lange dauern würde. Der neue Tag hab mir so viel Energie, dass ich entschied, weiterzufahren.

Reisepass

Die Prüfung aller Dokumente nimmt viel Zeit in Anspruch

Weißrussland ist außerhalb der Städte extrem langweilig und platt. Der Volvo fraß die Kilometer und nach etwa 8 Stunden überquerte ich die Grenze nach Russland (siehe Fotogalerie). Langsam machte sich jetzt doch die durchwachte Nacht an der Grenze bemerkbar. Die Abstände zwischen den Pausen wurden immer größer, der Verbrauch an Energydrink immer höher. Das polnische Sixpack war bereits alle und ich kaufte mittlerweile Red Bull an Tankstellen. Im Beifahrerfußraum hatte sich schon eine beachtliche Sammlung leerer Dosen angesammelt, doch so kurz vor dem Ziel wollte ich nicht aufgeben. Schließlich hatte ich meiner Freundin versprochen, dass ich bis zum Abend bei ihr in Moskau bin. Wie ich der russischen Hauptstadt immer näher kam, wurde mir bewusst, dass ich zwar eine Adresse hatte, aber keine Ahnung, wie ich mit dem Auto dahin komme. Also kaufte ich an einer Tankstelle einen Stadtplan und studierte ihn während einer Pause. Allmählich wurde es dunkel und ein Gewitter suchte Russland heim. Es war so heftig, dass sogar die Radiosender ausfielen. Moskau wollte und wollte nicht näher kommen und mittlerweile war ich einem Nervenzusammenbruch nahe. Die Kombination aus Übernächtigkeit und Energydrink entfaltete eine ungeheure Wirkung auf meinen Organismus. Meine Lider flatterten und zuckten, mein ganzer Körper kribbelte und mein Gehirn arbeitete in einer Geschwindigkeit, mit der ich körperlich nicht mehr mithalten konnte. Ich war den Tränen nahe und wollte nur noch ankommen. Die letzten Kilometer vor dem MKAD (Moskauer Ringautobahn) hatte ich Panik, da ich wegen Starkregen, Dunkelheit und einer Langstreckenbaustelle keine Schilder mehr sehen konnte und Angst hatte, die Abfahrt zu verpassen. Ich passierte auch des öfteren unbeschriftete Abfahrten, aber letztendlich fand ich doch die richtige. Auch die richtige Ausfahrt fand ich, fuhr aber aus Dussligkeit in die falsche Richtung ab, drehte einen Kreis und verzweifelte vollständig. Aller Vernunft zum Trotz aktivierte ich schließlich die Datenverbindung meines Smartphones, um das Navi nutzen zu können, und fand endlich den richtigen Weg. Nach insgesamt 28 Stunden im Auto war ich endlich am Ziel.

Wegen der Länge habe ich mich entschieden, diese Erzählung aufzuteilen. Die Fortsetzung findest du entsprechend im nächsten Beitrag.

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1 Response

  1. turboseize sagt:

    Klingt nach einer tollen Tour. Nein, es ist nicht schön, sich völlig fertig irgendwo durchkämpfen zu müssen, aber wenn man es denn dann geschafft hat…

    Bin gespannt auf Teil II.

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